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warme Sanierung

13. Februar 2020

In den Niederlanden leben 17 Millionen Menschen und 12 Millionen Schweine. Dies ist die höchste Schweinedichte in der EU. Für mich sind dies unvorstellbare Zahlen! Und dass die Auswirkungen in dem kleinen Land spürbar sind ist nachvollziehbar. Die niederländische Regierung will die Zahl der Schweine nun reduzieren und hat das Programm warme sanering (warme Sanierung) ins Leben gerufen um zu einer nachhaltigen Kreislauflandwirtschaft zurückzukehren. Die 180 Millionen Euro sollen Schweinebauern zugute kommen die ihre Ställe abreißen und die Schweinezucht aufgeben. Ursprünglich war man von 300 Teilnehmern ausgegangen, bis Mitte Januar hatten sich 500 der 4000 Schweinebauern angemeldet. Mit den Subventionen sollen sich die Landwirtsfamilien dann eine neue Zukunft aufbauen können. Ich finde es sehr interessant, dass die konservative mitterechts Regierung der Niederlande eine solche Maßnahme angeht, und zeigt, dass ein Umdenken im Gang ist. Im Jahr 2015 hat der wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums festgestellt, dass die gegenwärtige Intensivtierhaltung „nicht zukunftsfähig“ sei. Konsequenzen aus dieser Erkenntnis gab es bislang aber nicht.

Somit begrüße ich die Nachricht aus den Niederlanden, wobei mir eine Sache nicht ganz klar ist: Die Schweinebauern haben die vielen Schweine ja gezüchtet, weil der „Bedarf“ bestand. Das viele Fleisch wird ja jemand gekauft und gegessen haben. Werden die Niederlande zukünftig also mehr Fleisch aus anderen Ländern importieren und ihr Umweltproblem somit nur verschieben? Ich werde die Nachrichten zur warmen Sanierung weiter verfolgen und bin gespannt wie es weiter geht.

Diese obigen Zeilen habe ich am Sonntag 9.2. geschrieben, geplant zur Veröffentlichung am 13.2. Und nun gibt es in der Zwischenzeit Neuigkeiten aus Deutschland: Das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung unter Leitung des ehemaligen Landwirtschaftsministers Jochen Borchert („Borchert-Kommission) hat heute der amtierenden Landwirtschaftsministerin Julia Klöckler eine Bericht übergeben in dem es heißt „der Umbau der Tierhaltung sei unumgänglich“. Die Kommission schlägt eine Tierwohlabgabe vor um einen tierwohlgerechten Umbau der Ställe finanzieren zu könne. Julia Klöckler ist noch zögerlich, ich bin sehr gespannt, wie sie sich entscheidet. Es wäre nur logisch wenn gleichzeitig die Zölle auf Importe für Tiererzeugnisse steigen, damit der Verbraucher nicht auf günstige (und nicht nach Tierwohlgesichtspunkten produzierte) ausländische Produkte ausweichen kann….

 

Quelle: Zeit Ausgabe Nr. 7 2020 und Tagesschau hier sowie hier und hier

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